Lebensfreuden

Absolute Stille - hörst du was?

Sonntag 17 Januar 2021 - 12:43:03
absolute_stille.jpg Es fängt schon morgens mit dem Klingeln des Weckers an.

Erst ertönt es in meinen Ohren noch wie eine weit entfernte Melodie, die sich mit zunehmender Lautstärke in ein immer schrecklicher klingendes Geräusch verwandelt, steigt hinauf bis in mein Gehirn, das mir sagt: Du darfst aufstehen.
Der Tag beginnt ... der Wasserhahn plätschert geräuschvoll, die Kaffeemaschine brüht mit aufdringlichem Geräusch frischen Kaffee, das Radio wird eingeschaltet, sondert Musik ab und plappert vor sich hin!
Ich bilde mir ein, mit Musik wird der Tag schon gut beginnen! Bevor der Nachrichtensprecher mir die gestrigen Ereignisse und die heutigen Morgennachrichten präsentiert, packe ich meine Tasche für die Arbeit!
Dann eine Mitteilung, die verdeutlicht, wie grausam und schrecklich wir Menschen doch sein können und auch sind! Irgendwo hat es wieder einen Amokläufer gegeben. Da ich mit meinen Gedanken kurz woanders hing, habe ich nicht mitbekommen, wo diese schreckliche Tat stattgefunden hat! In meinem Kopf spielt sich eine Szene mit schreienden Menschen ab, die umherlaufen und dabei versuchen, diesem Kugelhagel zu entkommen. Die Polizei hat den Schützen erwischt. Nein, über Verletzte und Tote möchte ich jetzt lieber nicht nachdenken!
Zum Schluss der Nachrichten gibt es dann noch einmal eine nicht mehr ganz so neue Mitteilung über das Corona-Virus, das uns seit einem Jahr fest im Griff hat. Was mich daran erinnert, eine schnelle Kontrolle vorzunehmen, ob sich auch eine Maske und das Desinfektionsmittel in meiner Tasche befinden, bevor ich nun das Haus verlasse!
Auf dem Weg zum Auto ertönt von irgendwoher Hundegebell, das durch die hohen Häuserwände verstärkt wird, so dass der Schall noch lauter zu mir dringt!
Autotüren - auch meine - werden zugeschlagen, reine Gewohnheit! Ich starte den Motor und das Radio dröhnt mir „Wake me up before you go-go“ von WAM in meine Ohren! Es ist noch dunkel, besondere Konzentration im Straßenverkehr ist geboten. Nicht dass ich im Hellen unkonzentriert Auto fahren würde, doch es fährt sich halt besser und entspannter bei Tageslicht! Sirenen eines Kranken- oder Polizeiwagens sind von noch ungenauer Richtung zu hören und entfernen sich leiser werdend erst, als das Fahrzeug an mir vorbei ist!
Ein Motorradfahrer hinter mir lässt den Motor aufheulen an der noch roten Ampel, die erst in wenigen Minuten auf Gelb und dann auf Grün umschalten wird. Als dies geschieht, zieht er mit seiner Maschine auf der rechten Seite an mir vorbei.
Der Arbeitstag hat acht Stunden! Acht Stunden lang wird produziert, acht Stunden lang werden die Ohren und der Kopf von Maschinenlärm begleitet, acht Stunden lang ist es laut!
Am Abend, wenn ich mich dann endlich entspannen kann, erzwingt der Lärm des Tages meine volle Aufmerksamkeit in meinem Inneren, die Unruhe des Tages und die Unruhe der Welt befinden sich plötzlich in meinen Gedanken und in meiner Seele, die von Minute zur Minute immer dunkler und trauriger wird!
Ich mache mir einen Tee und beschließe, keinen Fernseher und kein Radio einzuschalten! Ich setze mich einmal ganz bewusst auf mein Sofa, und versuche mir vorzustellen, wie es wäre, wenn plötzlich alle Geräusche, jede Form von Lärm um mich herum und in meinem Kopf verschwinden würden!
Ich atme tief ein und aus, ich spüre wunderbare friedliche Ruhe in mir! Und diesen Vorgang wiederhole ich einige Mal, allmählich beginnt sich meine Seele zu erholen. Ich hole tief Luft und aus meinem Unterbewusstsein steigt eine Stimme auf wie eine innere Befreiung: „Hörst du den Klang der Stille? Was hörst du?“
Ich spüre, wie mich von innen ein Lächeln erfüllt, und ich antworte: „Nichts!“

Hilda



2 Kommentare


    Eine Brise Lebensfreude
    1 Monat vor

    Dankeschön liebe Hanni.

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    Hanni
    1 Monat vor

    Das hast du wunderbar erzählt. Wir brauchen alle diese stille Zeit, die unsere Seele zum klingen bringt. Wer das vergisst, endet irgendwann in einem Desaster.

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